Frau im Männerberuf

Geistvolle Akzente gepaart mit Konzentration und Gelassenheit

Als Frau im Männerberuf

Eine Frau als Nachtwächterin unterwegs, das ist eine ganz "besondere" Situation, wenngleich sich heutzutage viele Frauen in Männerberufen behaupten, bei Tag und ebenso bei Nacht, in Industrie, gewerblicher Wirtschaft, in Produktionsstätten etc.

 

Eine Nachtwächterin aber in alter Zeit - undenkbar! Den Zeitaufwand in der gesamten Länge der nächtlichen Wächterrunden, das hätte die Frau nie ausgehalten!

Sie war voll eingespannt in die Bewältigung der Aufgaben, Hausfrau zu sein, für Haus, Hof, Garten und Stall verantwortlich. Und die große Nachkommenschaft musste versorgt werden, brauchte die Mutter, dazu die im Haushalt mitwohnende ältere und alte Generation. Auch war die Mithilfe in der Erntezeit selbstverständlich!

 

Meine liebe Frau, Ilse-Marie, meine Jörg Schultens Ehefrau, musste indessen vertragsgemäß im Notfall einspringen und die Nachtwache übernehmen, wenngleich sie es nicht gerne tat, sogar verweigerte. Sie argumentierte: "Frauen gehören zur Nacht nicht auf die Straße!" Wenn die Nachtwächterinnen heute ihre Rundgänge machen, so hat sich ihr Berufsverständnis grundlegend geändert.

 

Ihre Arbeit erstreckt sich auf höchstens vier Stunden, dennoch, wie wir es verstehen, mit großen geistvollen Akzenten besetzt, gepaart mit äußerster Konzentration und gleichzeitiger Gelassenheit, begründet durch Kompetenz und Selbstsicherheit.

 

Einen bewegenden Nachtwächter-Rundgang zu gestalten, dazu muss man wohl auch geboren sein, mit dem Talent, auf Menschen zugehen zu können, mit kräftiger, großer Stimme und Singen können, mit der Kunst, sprachlich gut zu formulieren und der Lust, Sprache zu gestalten, mit dynamischem Deklamationsgeschick und theatralischer Begabung.

 

Als Frau im Nachtwächterberuf zu bestehen, bedeutet Überzeugungsleistung mit Fingerspitzengefühl und großem Wollen, das selbst gesteckte Ziel mit körperlicher und geistiger Kraft zu erfüllen und zu erreichen. Die moralische und historische Verantwortung stehen an erster Stelle! Dabei darf vor Kritik nicht ausgewichen werden. Vorurteilslose Nachfragebilanz, Problembewusstsein und Diskussion sind immer vorwärtstreibende Kraft, um die Innovation für den Standort der Aufgabenbewältigung mehr und mehr abzusichern.

Helga Simon,
"die poetische Nachtwächterin",
freischaffende Künstlerin

Marienstraße 54a
32427 Minden
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